Diaspora * Eine Alternative zu Facebook?

Wer kennt die Alternativen zu Facebook? Also Alternativen zu den grossen Anbietern?

Da gibt es tatsächlich eine Reihe von andere Soziale Netzwerke die sich anschicken, es mit Facebook aufzunehmen.

Hier soll es um Diaspora gehen.

Diaspora wurde vor etwa 10 Jahren ins Leben gerufen, etwa zu der Zeit, als Google ihr Google Plus aufgegeben hatte.

Die Idee war, ein soziales Netzwerk zu schaffen, das nicht in der Hand eines Konzerns liegt, sondern in der Hand der Nutzer. Diese sollen ihre eigenen Regeln aufstellen, frei von Staatlichen oder wirtschaftlichen Zwängen.

Also haben sich damals drei Studenten hingesetzt und die Grundlage zu einem der ältesten und freien, also Quelloffenen und für jedermann verfügbaren Netzwerk zu schaffen.

Heute ist Diaspora ein Netzwerk aus mehreren hundert Pods, die in engem Kontakt miteinander stehen. Eine Übersicht aller aktiven Pods findet sich bei The-Federation.info.

Jeder / Jede kann Teil im Diaspora Netzwerk werden, indem ein Knotenpunkt hinzugefügt wird (Pod) oder man sich als Nutzer an einem der mehreren hundert Knoten anmeldet.

Alle Nachrichten eines Pods werden mit anderen Pods geteilt, sofern Nutzer existieren, die zwischen diesen Pods miteinander interagieren.

Erstellt man sich bei einem dieser Pods ein Nutzer Account, so findet sich eine Art Mischung aus Twitter und Facebook. Zum einen gibt es einen öffentlichen Feed, der alles anzeigt, was dieser Pod an eingehenden Nachrichten erhält. Zum anderen einen Stream, der alle Nachrichten von Freunde oder gefolgten Tags enthält.

Zu Anfang ist der Stream erstmal leer. Man findet aber Tags oder Menschen, die man folgen kann schnell, indem man sich den öffentlichen Stream ansieht und dort entscheidet, wen man folgen möchte.

Öffentlicher Stream in Diaspora

Ähnlich wie bei Facebook, aber anders als bei Twitter, kann man gefolgte Personen in Gruppen -hier genannt: „Aspekte“ einordnen. Artikel, die man selber verfasst, können mit „Allen“ (Öffentlich), „Alle Aspekte“ oder nur bestimmten Aspekten geteilt werden.

Verfasst man einen Betrag, so kann wie bei anderen Netzwerken auch, Bilder oder Texte einfügen. Besonders bei Diaspora ist allerdings, das diese texte recht einfach direkt in der Eingabemaske formiert werden können. Headlines verschiedener Grösse, Schriftstyles wie Kursiv, Unterstrichen, Fett sowie Aufzählungszeichen sind dank des Markdown-Formats der Posts möglich. Wer es einfach haben möchte, schreibt eben nur den Text, man muss sich damit nicht aufhalten.
Photos können hochgeladen, oder im Text verlinkt werden. Ebenso eigentlich alle anderen Inhalte, die das Internet bereithält. Videos allerdings können nicht in Diaspora hochgeladen werden. Diese müssen aus externen Quellen hinzugefügt werden.

Ein echter Mangel ist für viele Nutzer das Fehlen von Gruppen. Es ist nicht möglich sich in Gruppen – geschlossen oder öffentlich- zu organisieren. Das Teilen von Beiträgen ist dagegen nur ein schwacher Trost und ersetzt diese Funktion nicht.

Das Publikum im Diaspora ist ebenso wie in allen anderen Netzwerken bunt gemischt. Jeder findet dort sein Thema.
Wobei eher die gemässigten Themen überwiegen. Durchaus auch Regierungskritisch , jedoch die extremen Beiträgen wie in manch anderen Netzwerken finden sich eher selten oder werden zügig von Benutzern gemeldet und moderiert. (Wobei ich mich hier eher auf Deutsche und English-Sprachige Beiträge beziehe). Die Moderation ist durchaus von Pod zu Pod unterschiedlich.
Es kam aber auch vor, das einzelne Pods dermaßen einseitig und gegen allgemeine Grundsätze gearbeitet haben, dass diese von den Grossen weitgehendstes blockiert wurden.

Ein weiterer Mangel – in Bezug auf Moderation- ist, dass Beiträge zwar auf jedem Pod dem Administrator gemeldet werden können, aber kommt der Beitrag von einem anderen Pod, so kann derzeit diese Meldung nicht an den Ursprung weitergeleitet werden. Der lokale Admin kann lediglich den Beitrag auf den eigenen Pod gegebenenfalls löschen.
Ein Anwender müsste sich derzeit auf den Herkunftsländern-Pod anmelden und dort den selben Beitrag (erstmal finden) und erneut melden. Hier muss sich ebenfalls noch dringend etwas tun.

Die Entwicklung scheint in den letzten Monaten wieder Fahrt aufzunehmen. Wie bei privaten Netzwerken üblich ist der Quellcode öffentlich einsehbar und man kann sich -Programmierkenntnisse vorausgesetzt- daran beteiligen.
Allerdings sind es eher eine Handvoll Entwickler, die sich beteiligen. Kein Wunder, opfern doch alle Beteiligte ihre Freizeit für dieses Projekt.

Dafür ist das Netzwerk frei von Werbeanzeigen und weitgehend frei von Spam-Beiträgen. Eine Analyse Wer-Was-Wann-Wo-Und-Warum geteilt hat, findet auch nicht statt.

Wer Schlichtheit vor dem blinkenden Budenzauber von Facebook schätzt, sollte sich mal Diaspora ansehen.

https://diasporafoundation.org

https://societas.online